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Projektsteckbrief

Titel: Klima- und Ressourcenschutz für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
Laufzeit: seit 2013
Region: Ghana / Kumasi
Sektor: Umwelt
Website: www.resource-recovery.info/de/ausstellung

Hauptakteure:

  • Technische Universität Dortmund
  • Universität KNUST
  • Westfälische Hochschule Gelsenkirchen

Gefördert durch Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen

Projekthintergrund

Klima- und Ressourcenschutz für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung setzt den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen, mit dem Klima und der Umwelt voraus – in allen Teilen der Welt. Industrienationen, Schwellen- und insbesondere Entwicklungsländer sehen sich dabei allerdings zahlreichen Herausforderungen ausgesetzt. In Ghana behindern vielfältige Probleme im Energie- und Abfallsektor einen effektiven Klima- und Ressourcenschutz und erschweren damit insgesamt die Entwicklung des Landes. So ist die Energieversorgung dem zunehmenden Verbrauch nicht gewachsen, und häufige Stromausfälle bremsen das wirtschaftliche Wachstum. Um die Energieversorgung im Land zu verbessern und den Klimaschutz zu stärken, hat die ghanaische Regierung bereits ein Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien verabschiedet. Die Umsetzung des Gesetzes jedoch stockt – nicht zuletzt aufgrund mangelnden Know-hows. Auch in der Abfallwirtschaft Ghanas behindern ungenügende Entsorgungsstrukturen sowie fehlende Kompetenzen den nachhaltigen Umgang mit steigenden Abfallmengen und neuen Abfallsorten. Hier fehlt es an Gesamtkonzepten, die Abfallvermeidung, Recycling und umweltgerechtes Deponieren verbinden und Umweltbelastungen vermeiden.

Ziele des Projekts

Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, GIZ, mit Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahr 2013 ein Projekt zum Klima- und Ressourcenschutz in Ghana initiiert. Dabei soll die Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Kumasi langfristig zu einem Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien, Energieeffizienz sowie Abfallmanagement und Ressourcenschutz entwickelt werden. Ziel ist, durch innovative Pilotvorhaben das erforderliche Know-how an der Hochschule aufzubauen, um anwendungsorientierte Lehre und Forschung betreiben sowie nachfrageorientierte Beratungsleistungen in den genannten Themenfeldern anbieten zu können.

Des Weiteren zielt das Projekt darauf ab, die fachlichen Kapazitäten weiterer Akteure in Ghana im Bereich des Klima- und Ressourcenschutzes zu stärken und damit zum Aufbau eines entsprechenden Kompetenznetzwerks in Ghana beizutragen, um hierdurch langfristig die nachhaltige Entwicklung des Landes insgesamt zu fördern.

Projektaktivitäten

Kern des Projekts bildet eine ghanaisch-nordrhein-westfälische Fachkooperation zwischen der KNUST in Kumasi, der Technischen Universität Dortmund und der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen. Die Kooperation bündelt die unterschiedlichen Erfahrungen und Expertisen der Hochschulen im Einsatz in den Bereichen erneuerbare Energien, Abfallwirtschaft und Ressourcenschutz. Darüber hinaus soll sie den wissenschaftlichen Austausch fördern und den Aufbau des Kompetenzzentrums an der Universität KNUST flankieren.

Die KNUST wird dadurch konkret darin unterstützt,

  • eine stabile und zuverlässige Stromversorgung an der Universität KNUST durch Nutzung von erneuerbaren Energien sicherzustellen und hierfür innovative Handlungsansätze zu entwickeln
  • beispielhafte Pilot- sowie Demonstrationsanlagen in den Bereichen erneuerbare Energien sowie Energie- und Ressourceneffizienz auf dem Campus der KNUST zu errichten. Diese Anlagen ermöglichen es, eine anwendungsorientierte Lehre und Forschung auf diesen Gebieten zu entwickeln und das Kompetenzportfolio der Universität KNUST zu stärken
  • die Kompetenzen des Lehrkörpers und der Studenten der KNUST in den thematischen Schwerpunkten der Kooperation weiter auszubauen.

Zur Zielerreichung werden folgende Aktivitäten umgesetzt:

  1. Unterbrechungsfreie Stromversorgung: An der KNUST wurde im Rahmen der Hochschulkooperationen eine Pilotanlage zur Demonstration einer unterbrechungsfreien Stromversorgung unter Einbindung von erneuerbaren Energien konzipiert und umgesetzt. Mit diesem Demonstrationsprojekt wird an zwei Gebäuden eine in sich geschlossene „Dorfstromversorgung“ simuliert, die im Fall eines Stromausfalls die Basisversorgung der Gebäude durch ein intelligentes Energiemanagement und durch die Nutzung erneuerbarer Energien sicherstellt. Die Anlage basiert auf einem innovativen Konzept mit Alleinstellungsmerkmal für die KNUST und die Region. Mit den einzelnen Komponenten der Anlage lassen sich anwendungsorientierte Lehre und Forschung in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Ressourcenschutz betreiben und die Kompetenzen sowohl des Lehrkörpers als auch der Studierenden ausbauen.
  2. Solartrainingszentrum: Als weiteres Demonstrationsprojekt für den Einsatz von erneuerbaren Energien wurde ein kleines Solartrainingszentrum auf dem Campus der KNUST errichtet, wo praxisorientierte Schulungen zur Installation und Nutzung von Photovoltaik- und Solarthermiesystemen stattfinden können.
  3. Solare Kühlung / Passive Kühlung: Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurde ferner geprüft, ob als weiteres Demonstrationsprojekt eine solare Kühlung an einem Auditorium der KNUST initiiert werden kann. Wegen der damit verbundenen hohen Umsetzungskosten wurde jedoch entschieden, eine alternative, kostengünstige Lösung für die Gebäudekühlung zu erproben. So wurde in Kooperation mit der Firma SICC Coating ein Projekt zur passiven Kühlung eines Auditoriums an der KNUST umgesetzt, bei dem durch den Anstrich des Auditoriums durch eine hitzereflektierende Farbe eine Reduzierung der Raumtemperaturen erreicht wurde.
  4. Biogas- und Biomassenutzung:Ferner wurde auf dem Campus der KNUST ein Biogaslabor zur Erforschung und Optimierung der Potenziale von Biogas eingerichtet. Dadurch wurde die Möglichkeit geschaffen, die Zusammensetzung der bei Vergärungsprozessen entstehenden Gase zu analysieren. Im späteren Projektverlauf wurde das Labor ausgebaut, um zusätzlich die Brennwerte von Biomasse untersuchen zu können. Um den Betrieb des Labors sicherzustellen, wurden die Mitarbeiter der KNUST in einem Training an der Westfälischen Hochschule geschult und ein Nutzungskonzept wurde entwickelt. Zu Fortbildungszwecken wurde darüber hinaus eine einfache Biogasanlage auf dem KNUST Campus fertig gestellt, die als Anschauungsobjekt für die Studierenden dient.
  5. Qualifizierungsmaßnahmen an der KNUST: Neben der Konzeption und Umsetzung der Pilot- und Demonstrationsprojekte wurde an der KNUST in Kooperation mit den nordrhein-westfälischen Hochschulen verschiedene Trainings zum Aufbau von fachlichen Kapazitäten vor Ort unternommen. So wurde z. B. gemeinsam mit der Westfälischen Hochschule in Kooperation mit der „Ruhr Master School of Applied Engineering“ eine „Summer School“ in Kumasi durchgeführt. Die „Summer School“ richtete sich an die Studierenden der Partnerhochschulen aus Ghana und Nordrhein-Westfalen und in den parallelen Veranstaltungen wurden Themen wie Biogas, Biomasse, Energieeffizienz und Solarenergie behandelt. Die „Summer School“ umfasste sowohl Vorträge als auch praktische Workshops unter Nutzung der Pilot- und Demonstrationsanlagen, die von den Dozenten der Hochschulen aus Ghana und Nordrhein-Westfalen gemeinsam durchgeführt wurden.Zur Verbesserung der Lehrkompetenzen an der KNUST wurde ferner in Kooperation mit der Technischen Universität Dortmund eine praxisorientierte Multiplikatorenschulung zum Thema unterbrechungsfreie Stromversorgung durch intelligentes Energiemanagement durchgeführt, dabei wurde die Analyse der Hauptpilotanlage mit einbezogen.
  6. Entwicklung von Geschäftsmodellen:Im Rahmen des Vorhabens wurde ein „Green Entrepreneurship Award“ zur Entwicklung grüner Geschäftsmodelle ins Leben gerufen. Der Ideenwettbewerb wurde in Kooperation mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (HBRS) und deren Partneruniversität University of Cape Coast (UCC) und im dritten Durchlauf mit der KNUST umgesetzt. Er richtete sich an Teams von Studierenden der UCC und der KNUST. Der Wettbewerb gibt Anstöße, um unternehmerisches Denken mit der Bewältigung von Umweltproblemen in Ghana zu verbinden.
  7. Fachgerechte Entsorgung von ausgewählten Abfällen in Kumasi: Zur Unterstützung der Stadt Kumasi bei der fachgerechten Entsorgung ihrer Abfälle wurde, auch unter Berücksichtigung der Ebola-Krise in Westafrika, der Fokus auf die Abfallentsorgung des städtischen Krankenhauses Komfo Anokye Teaching Hospital (KATH) gerichtet. Aufgrund einer defekten Verbrennungsanlage konnte das zweitgrößte Krankenhaus des Landes seine infektiösen Abfälle nicht fachgerecht entsorgen, sodass diese unbehandelt auf der Deponie der Stadt Kumasi entsorgt wurden. Da eine Sanierung der Anlage nicht möglich war, wurde eine neue Verbrennungsanlage für gefährliche Krankenhausabfälle für den Betrieb am KATH errichtet. Parallel wurde ein Konzept für die fachgerechte Entsorgung der Abfälle des KATH unter Einbeziehung der neuen Verbrennungsanlage erstellt und das Krankenhauspersonal über den Umgang mit den Krankenhausabfällen sowie der neuen Anlage geschult.Zur weiteren Unterstützung der Stadt Kumasi bei der fachgerechten Abfallentsorgung wurde ein Anreizmodell für ein fachgerechtes Recycling von Kühl- und Gefrierschränken in Zusammenarbeit mit einer Vereinigung der informellen Schrottarbeiter in Kumasi entwickelt und umgesetzt. Darüber hinaus wird aktuell eine Sammelstelle und Werkstatt für die Vereinigung der informellen Schrottarbeiter in Kumasi eingerichtet, um ihnen ein Recycling unter verbesserten Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.
  8. Umweltmesse und Konferenz „WACEE“: Flankierend zu den technischen Maßnahmen bildet die jährlich in Accra stattfindende Umweltmesse „West African Clean Energy Exhibition & Conference WACEE“ eine wichtige Komponente des Projekts. Bei der WACEE wird jedes Jahr eine eintägige Fachkonferenz organisiert, um die Themen Klima- und Ressourcenschutz mit relevanten Vertretern aus Ghana zu diskutieren und so zur politischen Verankerung der Kooperation beizutragen.
  9. Sensibilisierung von ghanaischen Kindern und Jugendlichen für den Klima- und Ressourcenschutz: Als Beitrag zur Umweltbildung für Kinder und Jugendliche wurden in dem Vorhaben in Abstimmung mit dem Bürgermeister der Stadt Kumasi Maßnahmen zur Förderung des Umweltbewusstseins an 19 Schulen durchgeführt. Insgesamt wurden ca. 10.000 Baumsetzlinge an Schulen gepflanzt. Ferner wurden an 15 Schulen Umweltclubs gegründet und 100 Lehrer/innen fortgebildet, um Themen des Umweltschutzes an den Schulen fundiert behandeln zu können. Die Maßnahmen flankieren eine vom Bürgermeister der Stadt Kumasi initiierte Kampagne zur Begrünung der „Gartenstadt Kumasi“.
  10. Wanderausstellung: Ferner wurde in Kooperation mit Engagement Global, dem Eine Welt Netz NRW und Germanwatch eine Wanderausstellung mit dem Titel „Aluminium, Gold, Elektroschrott – Kein Glanz ohne Schatten“ entwickelt. Die Ausstellung gibt Einblicke in die Zusammenhänge von Konsumverhalten in Deutschland und dem Ressourcenabbau in Ländern wie Ghana. Sie zeigt, wie wichtige Rohstoffe in Ghana gewonnen werden und was dort mit Elektroschrott passiert, der auch aus Europa stammt. Gleichzeitig werden die negativen Auswirkungen für die Menschen und die Umwelt in Ghana deutlich. Die Ausstellung kann über das Eine Welt Netz NRW für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit ausgeliehen werden.
    Weiterführende Informationen finden Sie unter http://www.resource-recovery.info/de/ausstellung

Partner und Akteure

  • Energieagentur NRW
  • Ghanaian Ministry of Environment, Science, Technology and Innovation (MESTI)
  • Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
  • Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST), Kumasi
  • Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV)
  • Stadt Kumasi
  • Technische Universität Dortmund
  • University of Cape Coast
  • Westfälische Hochschule Gelsenkirchen

Gefördert durch

mbem

Durchgeführt von

landesbuero-de-kl

Partner und Akteure

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